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09.08.2022

Ein Jahr Elektroniker für Gebäudesystemintegration

Seit August 2021 gibt es in den E-Handwerken neue Ausbildungsverordnungen und den innovativen Ausbildungsberuf Elektroniker für Gebäudesystemintegration. Corona und die höhere Messlatte für Azubis und Betriebe stellten sich als Herausforderungen dar.

Bild: ArGe Medien im ZVEH

Für Betriebe und Bewerber/innen, die im Herbst 2022 ein Ausbildungsverhältnis begründen möchten, hat die heiße Phase längst begonnen. Während sich Auszubildende fragen, „Welche Ausbildung passt zu mir?“, stehen Betriebe vor der Frage, „In welchem Bereich kann und möchte ich ausbilden?“ und vor allem: „Wie und wo finde ich die passenden Auszubildenden“?

Neuer Ausbildungsberuf weckt Interesse
Mit dem Elektroniker für Gebäudesystemintegration (EGSI) gibt es seit dem vergangenen Jahr auch einen komplett neuen Ausbildungsberuf im E-Handwerk. Ansporn für dessen Schaffung waren die zunehmende Digitalisierung, die wachsende Nachfrage nach nachhaltigen Lösungen im Bereich Wärmeversorgung, Energieerzeugung und -management sowie das steigende Interesse an komplexen, vernetzten Smart-Home-Lösungen. Zudem soll der EGSI als Spezialist für Vernetzung und gewerkeübergreifende Gebäudetechnologien sowie Bindeglied zu Planern im Bereich smarter Gebäude fungieren.

Großes Interesse aber noch viel Luft nach oben
Obwohl der neue Elektroniker für Gebäudesystemintegration (EGSI) von Anfang an auf großes Interesse bei Handwerkorganisationen, Arbeitsagenturen und E-Handwerksbetrieben stieß, blieben die Anmeldezahlen mit knapp zehn überschaubar. Zu den bereits dargelegten Corona-Gründen und geburtenschwächeren Schulabgangsjahrgängen kam hinzu, dass oftmals die Bewerber/innen, bisweilen aber auch die Ausbildungsbetriebe nicht hinreichend für die passgenaue Ausbildung im Berufsbild geeignet sind [Anforderungen siehe nachfolgend]. Wenig verwunderlich ist daher, dass die EGSI-Anmeldezahlen für den kommenden Herbst noch sehr ausbaufähig sind (Stand: Ende Juni). Die E-Handwerksbetriebe sind daher herzlich eingeladen, im neuen Ausbildungsberuf auszubilden, sofern es inhaltlich und formal passt.

Anforderung an Ausbildungsbetriebe
Grundsätzlich sind alle Ausbildungsbetriebe im Elektrohandwerk, die die notwendige fachliche und persönliche Eignung nach Berufsbildungsgesetz (BBiG) vorweisen, berechtigt, die EGSI-Ausbildung durchzuführen. Um eine der Ausbildungsverordnung und dem Rahmenlehrplan entsprechende Ausbildung gewährleisten zu können, sollte der Betrieb jedoch zumindest anteilig über die nachfolgenden Voraussetzungen verfügen:

  • Umsetzung von Projekten im Bereich Smart Home, z. B. mit Vernetzung von Beleuchtung, Multimedia, Verschattungstechnik sowie der im Gebäude beteiligten Gewerke (Empfehlung: mindestens fünf Projekte pro Jahr)
  • Umsetzung von Projekten im Bereich Smart Building, z. B. mit Lösungen zur Wärme- und Energieerzeugung sowie Energiemanagement
  • Möglichkeit der Planung von Projekten im Bereich smarter und gewerkeübergreifender Gebäudetechnologien
  • Mess- und Diagnosegeräte für verschiedene Systeme in der Gebäudetechnik
  • Lizenzen für Softwareanwendungen zur Gebäudesystemintegration (z.B. ETS), um Datenmodelle, Systemarchitektur und -topologie entwerfen zu können
  • Kenntnisse und Nutzung von Visualisierungs-, Fernwartungs- und Fernsteuerungssystemen

Anforderungen an Azubis
Die EGSI-Bewerber/innen sollten über ein hohes technischen Grundverständnis verfügen und zu vernetztem Denken und Handeln in der Lage sein. Ein hohes Kommunikationsgeschick und Englischkenntnisse sind wünschenswert. Mindestens ein guter Realschulabschluss wird daher notwendig sein, besser noch die Fachhochschule oder das Abitur plus ggf. auch Studienerfahrung (bspw. Elektrotechnik). Besonders ambitionierten und technisch besonders begabten Bewerbern mit Hauptschulabschluss bleibt der Zugang zum Ausbildungsberuf aber nicht grundsätzlich verwehrt.

Berufsschule in Karlsruhe
Der EGSI wird seit Herbst 2021 landesweit an der Heinrich-Hertz-Schule in Karlsruhe unterrichtet. Die Bundesfachschule für Elektro- und Informationstechnik bringt allerbeste fachliche, technische und räumliche Voraussetzungen mit. Der Unterricht wird über mehrere Wochen im Block erteilt Für Unterbringungsmöglichkeiten der aus dem ganzen Land anreisenden E-Zubis ist gesorgt.

Überbetriebliche Ausbildung in Stuttgart
Die insgesamt neun überbetrieblichen Ausbildungsmodule werden in 11 Arbeitswochen vermittelt. Zwei der Ausbildungsmodule strecken sich also über jeweils zwei Wochen. Die Kenntnisse werden im Stuttgarter Elektro Technologie Zentrum (etz) vermittelt. Auch dort sind hervorragende Voraussetzungen und Übernachtungsmöglichkeiten für die E-Zubis vorhanden.

Teil 1 bestätigt Programmierungskenntnisse
Der rechtlich selbständige Prüfungsteil 1 zählt zu 30 Prozent zum Prüfungsgesamtergebnis und wird vom zuständigen Prüfungsausschuss ohne offizielle Beteiligung der Berufsschulen abgeprüft, Nach der Teil-1-Prüfung sollen die GSI-Auszubildenen den Elektrofachkraft-Status und die KNX-Basiszertifizierung erhalten.

Neue Prüfungsform im Teil 2
Im Prüfungsteil 2, der 70 Prozent des Gesamtergebnisses ausmacht wird mit dem betrieblichen Auftrag eine projektbezogene Prüfungsform eingeführt, die es bei industriellen Ausbildungsberufen schon länger gibt. Nach Abschluss der Teil-2-Prüfung sollen EGSI die Fachkompetenz zur Vernetzung mehrerer Bussysteme sowie die Schnittstellenintegration besitzen.

Weiterte Informationen zur Ausbildung 4.0
Auf der FV-Homepage (www.fv-eit-bw.de) befindet sich auf der Startseite ein Button „Ausbildung 4.0“, der zu allgemeinen Informationen über die Seite www.e-zubis.de  führt. Auch die Beratungsstelle Bildung/Unternehmensführung des Fachverbands steht gerne für Fragen zur Verfügung. Steffen.Ellinger@fv-eit-bw.de, Tel. 0711/ 955906-66.

Ausbildung auf Wachstumskurs
Gemäß den offiziellen Zahlen des Baden-Württembergischen Handwerkstags (BWHT) haben die E-Handwerkbetriebe im Land zum Jahresende 2021 annähernd 5.500 Auszubildende beschäftigt. Die Gesamtzahl der E-ZUBIS im Land stiegt damit bereits im neunten Jahr in Folge an – auf den höchsten Stand seit fast 25 Jahren!  Da auch im vergangenen Jahr aufgrund der Corona-Krise zahlreiche Berufsorientierungsveranstaltungen wie Azubi-Messen und Schulpraktika ausgefallen sind, ist dieser Spitzenwert besonders erfreulich. Die Entwicklung unterstreicht, dass die E-Handwerksbetriebe den sich intensivierenden Fachkräftebedarf längt erkannt haben und zunehmend selbst geeignetes Personal aufbauen.

Wo stelle ich als Innungsbetrieb freie Ausbildungsplätze ein?
Kleiner Tipp: Wer seine Ausbildungsplätze in den E-ZUBIS-Stellenfinder der E-Handwerke (www.e-zubis.de/stellenfinder) einstellt, verbessert die Sichtbarkeit und damit die Chancen, sich qualifizierten Nachwuchs zu sichern!

Fragen zum neuen Berufsbild EGSI
Die Beratungsstelle Bildung/Unternehmensführung steht jederzeit gerne für Fragen zur Verfügung.

Ansprechpartner

Berater Bildung / Unternehmensführung
Steffen Ellinger

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